Musik ohne Barriere - Bericht

Musik ohne Barriere - ein inklusives Seminar an der HMTMH

Vor drei Jahren wurde in der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) die Klavierschule Klavierlernen Punkt für Punkt vorgestellt. Für den Musikunterricht im Allgemeinen und den Klavierunterricht im Besonderen soll mit diesem Werk eine begehbare Brücke zwischen blinden und sehenden Menschen geschlagen werden. In Kooperation zwischen der Fachgruppe Didaktik und Methodik, EMP und Rhythmik der HMTMH und dem DTKV (Bezirk Hannover-Celle) fand zu diesem Thema am 31. Oktober 2015 ein ganztägiges Seminar in der HMTMH mit Martin Rembeck statt.

In seiner Einführung sprach der Referent zunächst über die Entwicklung der Blindenpädagogik seit dem frühen 19. Jahrhundert. Integration und nun auch die Inklusion nahm er zum Anlass, über die Notwendigkeit neuer Unterrichtsmaterialien zu sprechen, da unter den aktuell gegebenen Umständen eine fachlich optimalen Beschulung auch für blinde Menschen nicht mehr ohne weiteres gegeben ist.

Praktisch standen am Beginn Übungen zur verbalen und nonverbalen Kommunikation. Wahrnehmungs- und Bewegungsübungen sowie Aspekte des formanalytischen Lernens  wurden schließlich konkret an Musikbeispielen aus der Klavierschule Klavier lernen Punkt für Punkt besprochen und am Instrument umgesetzt. Martin Rembeck, Autor der Klavierschule, stellte Schritt für Schritt das System der Blindennotenschrift vor. Diese zunächst befremdlich wirkende Notationsweise zeigte im Verlauf des Kurses ihre klaren Potentiale (Darstellbarkeit, Verfügbarkeit von vorhandener Literatur etc.). So wurde auch die eine odere andere pädagogische Hilfestellung entdeckt, die in dem System der Braille-Notenschrift schon angelegt sind. So unterstützen beispielsweise Wiederholungsverfahren das formanalytische Lernen. Da der tastende Finger kein Gesichtsfeld hat, müssen alle Zeichen hintereinander geschrieben werden. Die Darstellung von Akkorden und Intervallen mit speziellen Intervallzeichen unterstützt das harmonisch analytische Lernen.

Einige der 14 Teilnehmenden teilten ihre unmittelbaren Erfahrungen im Unterricht mit blinden Schülerinnen und Schülern mit; andere, vorwiegend Studierende der Hochschule, brachten sich mit ihrer fachlichen Neugier ein. Allgemeine methodische Aspekte und blindenspezifische Probleme griffen schnell ineinander. Die Veranstaltung darf als gelungener Beitrag zu praktisch angewandter Inklusion angesehen werden.